Mit dem Fahrrad

von Küste zu Küste
in Amerika

Wege

Entfernungen

 

Es ist ein weiter Weg vom Pazifischen zum Atlantischen Ozean, aber wie weit genau? Und wie lange dauert das mit dem Fahrrad?

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Je nachdem, welche Route man wählt, hat man es also mit einer Strecke von 5.100 bis 6.400 Kilometern zu tun. Ein trainierter Rennradfahrer, der täglich 150 Kilometer zurücklegt, kann die Strecke vom Santa Monica Pier in Kalifornien bis zur Battery in New York also in fünf Wochen schaffen.

Ein Radwanderer, der täglich nur 70 Kilometer fährt und sich pro Woche einen Ruhetag für Besichtigungen und Reparaturen gönnt, wird für die große Diagonale von Seattle nach Key West fast vier Monate brauchen. Er sollte vor der Reise daran denken, daß Deutsche für einen Aufenthalt von mehr als 90 Tagen in den USA ein Visum brauchen.

 

Die Routen der ACA

Stars and Stripes

Die Adventure Cycling Association oder kurz ACA ist die allererste Anlaufstelle, wenn es um Radrouten in den USA geht.

Der Verein hat seinen Sitz in Missoula, Montana. Er unterhält ein Netz von Fahrradrouten kreuz und quer über die gesamten Vereinigten Staaten von mehr als 75.000 Kilometer Länge.

Dabei darf man sich diese Routen nicht wie einen deutschen Fernradweg vorstellen. In aller Regel handelt es sich nicht um separate Fahrradwege, abseits vom Autoverkehr. Vielmehr verlaufen die meisten Routen auf wenig befahrenen, befestigten Landstraßen. Sie sind also auch für Rennräder geeignet. Es gibt aber auch Abschnitte, die auf den amerikanischen Autobahnen, den Interstates verlaufen, wo es nicht anders geht. Einige Bundesstaaten erlauben das. Hier ist eine Karte der wichtigsten Routen:

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Diese Karte ist nicht aktuell. Ich habe sie nach diesen Daten von Steve's Site gezeichnet. Sie stammen aus den Jahren 2010 - 2013. Einige Routen können sich seitdem geändert haben. Es sind auch nicht alle Routen der ACA wiedergegeben.

Eine vollständige, interaktive Karte von der ACA steht hier.

Die Homepage der ACA findet Ihr hier.

Titelseite einer ACA-Karte

Die ACA gibt schön gestaltete Karten über ihre Routen heraus. Sie enthalten detaillierte Angaben über die Strecke, das Höhenprofil, Unterkünfte und Zeltplätze einschließlich Telefonnummern, die Geschichte und alles, was man unterwegs zur Orientierung braucht. Sie sind uneingeschränkt zu empfehlen. Es werden sogar ständig Nachträge veröffentlicht, die aktuelle Änderungen enthalten.

​​​Hier gibt's einen Katalog.

Hier kann man die Karten online kaufen und sich ein witziges Video dazu (auf Englisch) anschauen.

Man kann sie online auch von Deutschland aus bestellen. Ich mußte meine Karten anschließend vom deutschen Zoll abholen und Einfuhrumsatzsteuer bezahlen.

Diese Karten sind voll analog, gedruckt auf richtigem, wetterfesten Papier. Das bedeutet: Sie funktionieren immer, ohne Akku und ohne Mobilfunknetz!

Wer's trotzdem lieber digital mag: Es gibt für iOS und Android auch eine Bicycle Route Navigator App. Die App selbst ist kostenlos. Die Karten kauft man dann in-App. Auf diesem Weg sind sie deutlich billiger als auf Papier. Nach Download der Karten soll die App auch offline nutzbar sein.

Wer andere Geräte verwenden will, z.B. von Garmin, oder die Radrouten am PC verarbeiten will, kann sie auch als GPX-Dateien beziehen.

Field Notes
Service Directory
 
Karte und Wegbeschreibung
Höhenprofil

Rails to Trails

 
Logo der Rails to Trails Conservany
Weg mit Fahrrad
Auf einer alten Eisenbahnbrücke

Rails to Trails, die Umwandlung von alten, aufgegebenen Eisenbahnstrecken in Fahrrad- und Wanderwege, das war das ursprüngliche Ziel der Rails-to-Trails Conservancy. Heute kümmert sich der Verein mit Sitz in Washington DC um Wege mit einer Gesamtlänge von 50.000 km.

Die Wege verlaufen oft auf alten Eisenbahntrassen oder auf den ehemaligen Treidelpfaden entlang der Kanäle. Beides hat für Radfahrer den großen Vorteil, daß es so gut wie keine Steigungen gibt. Häufig sind die alten Eisenbahnbrücken oder Tunnels in den Radweg integriert. An den Kanälen sieht man häufig noch die Reste der historischen Schleusen. Andere Wege verlaufen im städtischen Umfeld durch Parks oder an aktiven Bahnstrecken entlang.

Die Rail-Trails haben den Riesenvorteil, daß man abseits vom Autoverkehr unterwegs ist. So genießt man Ruhe und Sicherheit.

Die Qualität der Rail-Trails ist sehr unterschiedlich. In der Nähe der Städte sind sie oft asphaltiert. Viele Wege bestehen aus feinem Splitt aus gemahlenem Kalkstein. Diese lassen sich sehr gut befahren, wenn man nicht gerade mit den allerdünnsten Rennradreifen unterwegs ist. Oft sind die Wege aber auch einfach unbefestigt oder, wenn sie wenig benutzt werden, sogar mit Gras bewachsen. Hier ist bei schlechtem Wetter mit Pfützen und Schlamm zu rechnen. Auf jeden Fall sollte man weit kürzere Tagesetappen als auf der Straße einplanen. 

Alle diese Wege sind bei TrailLink bestens dokumentiert, komplett mit Beschreibungen, Bildern und Karten. Hier findet Ihr auch Hinweise, falls Ihr für bestimmte Strecken eine Erlaubnis braucht. Zusätzlich können zahlende Mitglieder auch GPX-Dateien für die Navigation herunterladen. Macht Gebrauch davon, es bewahrt Euch vor unangenehmen Überraschungen.

Den besten Einstieg in die Informationen findet Ihr über diese Karte.

https://www.traillink.com/viewnationalmap/

Übrigens sind die meisten Rail-Trails auch auf dem Fahrrad-Layer von Google Maps zu sehen, allerdings nur in bestimmten Zoomstufen. Sie werden dort sogar bei der Navigation verwendet.

Google Maps

Die folgende Karte enthält die wichtigsten Radwege aus TrailLink:

Was meinen Sie? Schreiben Sie mir!

Rails to Trails.jpeg

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Rail-Trail-Korridore

 

Wie Ihr seht, bilden die Rail-Trails leider kein zusammenhängendes Netz. Sie konzentrieren sich auf den Nordosten des Landes. Dort lassen sie sich an einigen Stellen schön miteinander verbinden, indem man abwechselnd Rail-Trails und Landstraßen benutzt, zum Beispiel so:

Rail Trail Corridors.jpeg

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Cowboys nach Washington

 

Das ist in der Karte oben der nördliche der zwei Korridore.

Wer von Westen kommt, kann in Nebraska den Cowboy-Trail aufgreifen. Er ist einer der längsten Rail-Trails überhaupt. Man kann ihm 300 km weit folgen, dann über Landstraßen nach Omaha fahren und dort den Missouri überqueren. Der Weg weiter nach Des Moines führt überwiegend über Landstraßen, aber dann kann man den Raccoon River Valley Trail benutzen. In Des Moines kann man die ganze Stadt auf schönen Radwegen durch die Parks durchqueren und sieht dabei kaum ein Auto. Der asphaltierte Chichaqua Valley Trail führt weit aus der Stadt heraus nach Nordosten.

Auf dem Cowboy Trail
Auf dem Wabash Cannonball Trail

Über Landstraßen gelangt man nach Davenport und überquert den Mississippi. Auf der anderen Seite hat man Anschluß an den Hennepin Canal Parkway. Der Weg verläuft rund 100 km lang auf dem ehemaligen Treidelpfad des historischen Kanals. Der Illinois & Michigan Canal State Trail führt schon bis in die Vorstädte von Chicago. Die gut asphaltierte Old Plank Road bringt den Radfahrer schnell und sicher 30 km weiter nach Osten. Den Weg vom Michigan- zum Eriesee muß man überwiegend auf Landstraßen zurücklegen. Nur der Pumpkinvine Trail und der Wabash Cannonball Trail lassen sich in die Route einbauen. Der North Coast Inland Trail führt bis in die Nähe von Cleveland. Hier wendet sich der Korridor nach Südosten.

Der Zoar Valley Trail und andere führen nach Pittsburgh. Ab hier braucht man keine Landstraßen mehr zu benutzen. Die Great Allegheny Passage bietet eine hervorragende Möglichkeit, die Appalachen mit sehr geringen Steigungen zu überschreiten. An ihrem Ende hat man nahtlosen Anschluß an den 297 Kilometer langen Chesapeake & Ohio Canal (siehe auch hier). Die einzige Steigung, die man hier zu bewältigen hat, ist die Umleitung um den Paw Paw Tunnel, der leider z.Zt. (März 2018) noch immer gesperrt ist. Man folgt tagelang dem Potomac River und erreicht endlich die Hauptstadt, Washington DC.

Auf der Great Allegheny Passage

Von Kansas nach Pittsburgh

 

Auf ähnliche Weise kann man von Kansas nach Pittsburgh fahren. Man folgt einer Kette von Rail Trails, verbunden durch Straßen. Auch dieser Korridor ist oben in der Karte dargestellt.

Im Gegensatz zu der oben beschriebenen Route für Cowboys nach Washington enthält diese tendenziell größere Lücken zwischen den Trails, auch in den Hügeln von West Virginia. Auch sind die Trails oft schlechter und eher für Mountainbikes als für Rennräder geeignet. Informiert Euch also gründlich, bevor Ihr Euch auf den Weg macht, damit Ihr keine bösen Überraschungen erlebt!

Dieser Korridor beginnt westlich von Kansas City mit dem 188 Kilometer langen Flint Hills Nature Trail. Dieser Trail besteht zum Teil aus Schotter und ist daher für Rennräder nicht geeignet. Eine Alternative ist der 100 Kilometer weiter südlich verlaufende TransAmerica Trail. Ab Kansas City folgt man über 350 Kilometer weit dem Katy Trail. Er folgt dem Missouri bis zu seiner Mündung in den Mississippi. Man überquert den Strom bei St. Louis und verläßt die Stadt Richtung Nordosten auf dem MCT Nickel Plate Trail.

Bis Indianapolis benutzt man überwiegend Landstraßen. Nur für jeweils einige Kilometer folgt man dem Lincoln Prairie Grass Trail,

dem National Road Heritage Trail (Terre Haute) und dem Vandalia Trail.

Von Indianapolis bis Richmond folgt man im großen und ganzen der Route 40. Hier und da kann man auf den abschnittsweise parallel verlaufenden Pennsy Trail und einige kleinere Trails ausweichen. Alternativ kann man in diesem Abschnitt die ACA Route Chicago to New York benutzen.

Die Stadt Dayton kann man fast komplett auf Radwegen durchqueren. Der Creekside Trail führt nach Osten aus der Stadt heraus. Der Xenia-Jamestown Connector und der Paint Creek Recreational Trail führen weiter durch Ohio.

130 Kilometer Landstraße bringen Dich dann nach West Virginia und zum Beginn des North Bend Rail Trails. Dieser Trail ist 116 Kilometer lang und führt durch 10 alte Eisenbahntunnels. Leider ist die Oberfläche an einigen Stellen in schlechtem Zustand und je nach Wetter manchmal aufgeweicht. Sollte es gar nicht gehen, kann man auf die parallel verlaufenden Straßen ausweichen.

Der Harrison North Trail, der West Fork River Trail und die Mon River Trails South und North bringen Dich weiter nach Nordosten. Jetzt ist noch eine Trail-Lücke von etwa 50 Kilometer auf Landstraßen zu überwinden, bevor Ihr auf die Great Allegheny Passage stoßt. Von hier aus geht es mühelos über die Appalachen und auf der anderen Seite den Potomac River hinunter nach Washington DC, wie oben beschrieben.

Ein Chinese auf demWeg von New York nach Los Angeles
Mile 24
Im Rust Belt

ACA oder Rails to Trails?

 

Was bedeutet all das nun für den Radreisenden? Soll man sich der ACA und ihren Routen anvertrauen, oder soll man den Rail-Trails folgen? Oder soll man sich auf Straßenkarten eine komplett eigene Route zusammenstellen?

Alles ist möglich. Jede der genannten Methoden bringt Dich zum Ziel, der großen Reise zum Atlantischen Ozean. Hier ein paar Dinge, die man trotzdem bedenken sollte:

Die ACA-Routen verlaufen ganz überwiegend auf befestigten Straßen. Wer mit dem Rennrad unterwegs ist und jeden Tag 200 Kilometer zurücklegen will, wird das zu schätzen wissen.

Die Rail-Trails hingegen bestehen oft aus Splitt oder sind sogar unbefestigt. Ihre Qualität kann sehr unterschiedlich sein, auch abhängig vom jeweiligen Wetter. Informiert Euch! Bringt ein dazu passendes Fahrrad mit! Es muß kein Mountainbike sein. Reifen ab 35 mm Breite reichen meist aus. Richtet Euch darauf ein, daß Eure Tagesetappen etwa 1/3 kürzer sein werden, als Ihr es von der Straße gewohnt seid.

Dafür haben viele Rail-Trails den großen Vorteil, daß man sich komplett außerhalb des Autoverkehrs bewegt. Man kann völlig entspannt den Weg und die Landschaft genießen und muß sich nicht um Autos und Trucks kümmern. Ein Riesen-Sicherheitsvorteil, vor allem, wenn man mit Kindern unterwegs ist.

Viele Rail-Trails sind für sich schon sehenswert. Wenn Ihr an historischer Technik interessiert seid, werdet Ihr Euch an den Brücken, Schleusen und Tunnels erfreuen, die an vielen Rail-Trails zu sehen sind.

Das Monocacy Aqueduct

Wenn man sich für die ACA entscheidet, ist der Planungsaufwand gering. Wenn Ihr Euch zum Beispiel entschließt, den Trans America Trail zu machen, ist die Routenplanung damit bereits erledigt. Ihr kauft die Karten und seid dann stets bestens über die Strecke, die möglichen Unterkünfte, die Steigungen des nächsten Tages und die Geschichte der durchfahrenen Landschaft informiert.

Wer sich jedoch dazu entschließt, die Rail-Trails zu benutzen, hat den ganzen Planungsaufwand selbst. Karten und Websites müssen konsultiert werden: Von wo bis wo kann ich einen Rail-Trail benutzen? Wo muß ich auf die Landstraße? Wie ist das Höhenprofil? Wo finde ich Einkaufsmöglichkeiten? Wo kann ich übernachten?

Wer eine individuelle Reise machen will, auf einer Route, die noch nie ein Mensch zuvor realisiert hat, wird diesen Aufwand gerne treiben. Und wer spezielle Ziele im Blick hat, muss es sowieso. Wer beispielsweise die Black Hills sehen will, sollte den Mickelson Trail benutzen. Dieser hat aber keine Verbindung zu den übrigen Rail-Trails und auch nicht zum Netz der ACA. Also: Selber planen!

 

Mount Rushmore

Auf den ACA-Routen und auf den Rail-Trails werden Euch immer wieder andere Radfahrer begegnen. Das ist immer eine gute Gelegenheit, anzuhalten, sich zu unterhalten und Tipps auszutauschen. Je länger die Route, desto größer ist naturgemäß der Anteil der Langstreckenfahrer.

Wer übernachten und gleichzeitig echte Amerikaner kennenlernen will, kann auf das Cyclists Only Lodging zurückgreifen, das in den ACA-Karten verzeichnet ist, oder auf die Gastgeber von Warmshowers oder Couchsurfing. Hier ist es manchmal günstig, abseits der großen Routen unterwegs zu sein. Dann bist Du vielleicht bei Deinem Gastgeber der erste reisende Radfahrer in diesem Jahr, und nicht der zehnte oder hundertste, und umso persönlicher wirst Du behandelt werden.

Warmshowers

Das Netz der Netze

 

Hier sind sie noch einmal alle zusammen: Die wichtigen West-Ost-Strecken der Adventure Cycler und die zwei Rail-Trail-Korridore, die ich oben beschrieben habe. Stellt Euch Eure Route daraus zusammen, wie es Euch gefällt!

ACA and Rail Trails combined.jpeg

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Dieses kombinierte Netz aller wichtigen Routen findet Ihr übrigens auch in meinen Klimakarten, die ich hoffentlich recht bald hier veröffentlichen werde.